jesusrevolutionSeit der Wahl von Donald Trump zum neuen Präsidenten Amerikas, verstehe ich viel besser das Dilemma, in dem die amerikanische Christenheit steckt. Christen fühlen sich in der Regel verbunden mit konservativen Werten, welche in Amerika insbesondere durch die Republikaner vertreten werden. Andere Christen schämen sich daür, auf welche Weise diese Partei diese Werte vertritt, bzw. verleugnet. Diesen Konflikt deutet Tony Campolo an, wenn er über die „Red Letter Christians“ in Amerika schreibt – eine Bewegung, die aus den Schubladen ausbrechen will, in welche die Evangelikalen Amerikas so leicht einsortiert werden können. Sie wollen Christsein überzeugend leben und betonen deshalb die wörtliche Rede Jesu und den Gehorsam diesen Worten gegenüber. Jimmy Carter lobt diese Veröffentlichung mit den Worten „Dieses Buch, von einem jungen Wilden und einem altersweisen Christen geschrieben, wird sie neu dafür begeistern, wie wir Christen diese Welt verändern können, wenn wir Jesus beim Wort nehmen“.

Ich ging also mit der Erwartung an das Buch heran, in ihm die Verschmelzung von Dynamik und Weisheit zu finden. Was ich stattdessen fand, würde ich als Begegnung zwischen Personen verschiedener Generationen beschreiben, die grundsätzlich derselben Meinung sind und sich gegenseitig die Bälle zuspielen. Mein Eindruck ist, dass sie Christsein eher auf die politische Linie der Demokraten umbürsten, statt Impulse der Erneuerung im Hören auf Gottes Wort zu vermitteln. Dass sie den Ruf der Evangelikalen retten wollen, verstehe ich. Dass sie sich dabei an der demokratischen Agenda orientieren, verstehe ich nicht.

Anders als der Untertitel erahnen lässt, stehen nämlich nicht die Jesus-Worte im Mittelpunkt, sondern zeitgemäße Fragestellungen, die nach dem Motto erläutert werden: Was würde Jesus dazu sagen? Dieser Zugang gibt Spielraum für so manche Spekulation. Dass Jesus nichts zu Homosexualtität gesagt hat, wird da bereits ein Argument dafür, dass ihm das Thema nicht wichtig war. Dort wo er sich klar geäußert hat (z. Bsp. zum Thema Hölle), werden seine Worte relativiert, weil sie nicht in die Zeit passen. Dinge, die seinen Dienst sehr stark geprägt haben (Heilung, Befreiung), werden noch nicht einmal thematisiert.

Warum also Worte Jesu rot markieren? Wir sollten sie lieber im Zusammenhang lesen, um ihre Bedeutung auch wirklich zu verstehen. Revolution? Nicht durch dieses Buch. Erneuerung? Hoffentlich! Die Polarisierung der amerikanischen Christenheit kann ich verstehen. Wir sollten uns allerdings dafür hüten, diese auf Deutschland zu übertragen.

Die Jesus Revolution – Was passiert, wenn wir IHN beim Wort nehmen